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Der Ring des Polykrates

Eigentlich ist Friedrich Schiller durch und durch Dramatiker. Aber im Balladenjahr 1797 zeigt Schiller, dass noch mehr in ihm steckt. Er kann auch Gedichte schreiben, zum Beispiel die Ballade vom „Ring des Polykrates“.

Schiller erzählt ein antikes Märchen – beginnt aber nicht mit „Es war einmal …“. Wir lesen: „Er stand auf seines Daches Zinnen …“.  Dieser Satz wirft uns sofort ins Geschehen.

Es ist, als stünden wir selbst neben Polykrates auf dem Dach und sähen auf die Stadt und die Insel Samos. Von diesem Ort kann man einiges überblicken: den Machtbereich des Polykrates, ob sich Feinde über das Meer nähern oder die eigene Flotte. Und von höherer Warte lässt sich auch gut über das Leben philosophieren.

Der Grieche Polykrates rühmt sich im Gespräch mit Amasis, dem König von Ägypten, seines Glücks: „Gestehe, das ich glücklich bin“. Amasis gibt gerne zu, dass Polykrates die Gunst der Götter erfahren habe, weist aber auch auf bestehende Gefahren hin, die Polykrates Glück, also seine unumschränkte Macht, zerstören könnten. Dreimal erweisen sich die Warnungen des Pharaos aber als haltlos. Denn …

1. siegt Polykrates Feldherr Polydor gegen rachsüchtige Feinde bei Milet.
2. kommt Polykrates Flotte trotz stürmischer See „mit Schätzen reich beladen“ in den Hafen von Samos zurück und
3. werden die verfeindeten Kreter vom Sturm "zerstreuet“.

Der Freund reagiert trotz dieser Erfolgsmeldungen mit Skepsis, schließlich mit „Entsetzen“. Er rät Polykrates dringend, sein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren. Ganz im Gegenteil, er solle selbst ein Unglück herbeiführen. Und Polykrates „von Furcht beweget“ wirft einen Ring, sein „höchstes Gut“ ins Meer. Aber das Glück bleibt ihm hold.

Am nächsten Tag meldet sich der Koch des Tyrannen: Dieser hat den Ring des Polykrates im Magen eines frisch gefangenen Fisches gefunden. Amasis verlässt seinen Freund Polykrates auf der Stelle: „Die Götter wollen dein Verderben / Fort eil ich, nicht mit dir zu sterben.“

Historischer Hintergrund

Schiller, Professor für Geschichte an der Universität Jena, wusste: Polykrates war ein griechischer Tyrann, der von ca. 538 bis 522 v. Chr. auf der griechischen Insel Samos herrschte; Tyrann ist das griechische Wort für Alleinherrscher. Als Händler und durch Piraterie konnte Polykrates großen Reichtum anhäufen. Um sein Image zu verbessern, holte er berühmte Persönlichkeiten an seinen Hof, z. B. den Dichter Ibykos, dem Schiller übrigens in "Die Kraniche des Ibykus" ein Gedicht widmet.

In der Antike, wo jeder gegen jeden Krieg führt, nicht nur Perser gegen die Griechen, sondern auch die Griechen untereinander, ist die Wahrscheinlichkeit für viele Tyrannen groß, durch kriegerische Ereignisse zu sterben. Tatsächlich wurde Polykrates von den Persern getötet. Die Geschichtsschreibung datiert seinen gewaltsamen Tod auf das Jahr 522 v. Chr.

Dichterische Bearbeitung

Der Ballade würde es nicht gut bekommen, entschlösse sich der Dichter jetzt zu einer Kriegsberichterstattung. Eine Ausnahme ist der Sieg des - von Schiller erfundenen - Feldherrn Polydors. Danach will der Dichter kein Chronist mehr sein. Schiller verlässt die von Herodot überlieferte Historie und gibt dem Ende des König von Samos einen ganz anderen Erklärungsrahmen: Der Zauber dieser Ballade vom Ring des Polykrates besteht darin, dass ihr eigentliches Thema „Glück“ ist.

Glück: des Lebens ungemischte Freude

Wenn man immer nur Glück hat, also „des Lebens ungemischte Freude“ genießt, muss dann nicht irgendwann der große Knall kommen, Unglück? Schiller stupst uns an. Wir sollen bitte mal nachdenken. Sind wir glücklich? Dann stehen wir wohl unter dem Schutz der Götter oder eines Schutzengels. Erkennen wir unser Glück? Oder nehmen wir es für selbstverständlich? Brauchen wir manchmal auch das Gegenteil von Glück, neben den Höhen auch die Tiefen des Lebens, den Schmerz, um wirklich Glück zu empfinden?

Schillers Kunst

Schillers Talent kann sich dreifach entfalten: Der Historiker erkennt eine interessante historische Person. Der Dramatiker weiß, wie man eine Geschichte mit guten Dialogen und perfektem Timing voranbringt. Und der Dichter hat ein Gefühl für Klang der Worte, Rhythmus und kann vorzüglich reimen. Friedrich Schiller unterhält sein Publikum blendend. Wir staunen schließlich über Schillers Fähigkeit, eine gute Geschichte zu erzählen, mit der er uns in die Stimmung bringt, über unser eigenes Leben nachzudenken.  

 

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