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Aus Goethes Briefwechsel geht hervor, dass er die Römischen Elegien im Herbst 1788 zu schreiben begann und im Frühjahr 1790 vollendete. Aber weder in den zahlreichen Briefen, die ihre Entstehung begleiteten, noch in jenen, die er aus Rom nach Deutschland schickte, erwähnte er die Frau, die sie inspiriert hatten. Dafür hatte er gute Gründe.

Im Laufe der Arbeit daran gab Goethe die Elegien seinen Freunden zu lesen. Am 1. Januar 1791 schrieb er an Knebel, dass Herder ihm von der Veröffentlichung abgeraten hatte. Der erotische Inhalt der Elegien hätte mit Sicherheit einen Skandal erregt, und so zögerte Goethe noch einige Jahre, bevor er beschloss, sie dennoch zu publizieren, und zwar in Schillers Zeitschrift „Die Horen“ im Juli 1795.

Am 20. Juli schrieb Schiller an Goethe, dass bis jetzt noch niemand Anstoß genommen habe, doch setzte er vorsichtig hinzu: „die eigentlich gefürchteten Gerichtshöfe haben freilich noch nicht gesprochen.“ Das war nicht ganz richtig. Schon am 9. Juli hatte Herzog Carl August sofort nach dem Erhalt des Heftes Schiller seine Einwände ausgedrückt, indem er schrieb:

„Für die überschickten „Horen“ sage ich den verbindlichsten Dank. Die „Elegien“ hatten mir sehr wohl gefallen, da sie mir der Autor vorlas oder hererzählte; indessen glaube ich immer, er würde sie noch etwas liegen lassen, ehe er sie öffentlich erscheinen ließ. Wenn sie vor dem Druck in die Hände mehrerer Freunde gegeben worden, so würde man vielleicht den Autor vermocht haben, einige zu rüstige Gedanken, die er wörtlich ausgedrückt hat, bloß erraten zu lassen; andere unter geschmeidigeren Wendungen mitzuteilen, noch andere ganz zu unterdrücken.“ 

Sehr viel heftiger war die Reaktion Herders, von der der Weimarer Gymnasialdirektor Carl August Böttiger seinem Freund Friedrich Schulz in einem Brief vom 7. Juli berichtete: „Zu den merkwürdigsten Erscheinungen an unserem literarischen Himmel“ schrieb er, „gehören Goethes „Elegien“ im 6. Stück der „Horen“. Er brennt eine genialische Dichterglut darinnen, und sie stehen in unserer Literatur einzig. Aber alle ehrbaren Frauen sind empört über die bordellmäßige Nacktheit. Herder sagte sehr schön: er habe der Frechheit ein kaiserliches Insiegel aufgedrückt. Die „Horen“ müßten nun mit „u“ gedruckt werden.“

 

 

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