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Goethe und Wein


Warum hatte Johann Wolfgang Goethe in Weimar einen großen Weinkeller, gab gut 20 Prozent seines Einkommens für Wein aus? Ganz einfach: Dichter brauchen, um produktiv zu sein, Gott Bacchus an ihrer Seite oder anders gesagt: Wein auf dem Tisch.

Denn Wein beflügelt die Phantasie. Und im Wein liegt Wahrheit. Wein lässt, insofern mäßig getrunken, Dinge klarer sehen. Und über die wahren Dinge besser schreiben, erzählen, reimen.

Jörg Lüdecke rezitiert die schönsten deutschsprachigen Lobgesänge auf den Göttertrunk Wein und berichtet von der Liebe unserer Dichter - speziell der Goethes - zu einem guten Glas Wein.


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Wie viel Wein brauchte Goethe?

Der Weimarer Geheimrat bestellte zwischen 1826 und 1830  beim Eisenacher Weinhändler Kraeger gut tausend Liter Wein, davon im Fass: Assmannshäuser (Rotwein aus Spätburgundertrauben), Würzburger und Eschendorfer (fränkischer Weißwein) sowie Moselwein. In Form von Flaschen wurde Champagner, Burgunder und noch mehr Assmannshäuser Höllenberg geliefert.

Gleichzeitig orderte Goethe bei Thaler und Döring in Dettelbach (Unterfranken) Jahr für Jahr Weine ebenfalls mit einem Gesamtvolumen von 1.000 Litern, darunter der Würzburger Stein, ein Silvaner.


Trank Goethe zu viel Wein?

Wir wissen, dass Goethe seinen Weinkeller nicht alleine ausgetrunken hat. Er lud regelmäßig Freunde, Nachbarn und Kollegen zu sich ins Haus am Frauenplan. Dann wurde ordentlich gezecht. Dennoch neigen wir, die Nachgeborenen, fast 200 Jahre später dazu, den großen Weinkonsum kritisch zu hinterfragen. 

Um Johann Wolfgangs Goethes Vorliebe für Wein und seinen regelmäßigen Genuss zu verstehen, lohnt ein Blick auf Leben und die Lebensumstände.  

Goethe berichtet in Dichtung und Wahrheit, dass er schon kurz nach seine Geburt mit Wein in Berührung kommt. Die Hebamme reibt die Herzgrube des scheinbar leblosen Kindes mit Wein ein. Der Wein als Lebenselixier, also.

Dann der Wein als Familienerbe. Der Großvater väterlicherseits, Friedrich Georg Göthe, der Gasthalter und Weinhändler war, hatte einige große Weinfässer hinterlassen, die im Keller des Hauses am Großen Hirschgraben gelagert wurden. Der Wein war allgegenwärtig, da die Weinaromen aus dem Keller ins Parterre heraufwaberten. 

Außerdem besaß die Familie Goethe einen Weingarten vor den Toren der Stadt. Schon sehr früh lernt Johann Wolfgang alle Schritte des Weinbaus kennen und auch die Weinherstellung. Der Knabe trinkt Traubensaft - und wird auch nicht gehindert, Wein zu trinken. Denn alle Kinder tun es!

Der Grund: Die Brunnen einer Stadt wie Frankfurt am Main lieferten nicht immer reines Wasser. Das Grundwasser war bei rudimentärer Kanalisation anfällig für Schadstoffe. Wein ist eine gute Alternative - und natürlich auch Dünnbier, das weniger als 2% Alkohol hat.

Halten wir fest: Johann Wolfgang Goethe wird mit Wein sozialisiert. Im Laufe seines Lebens entwickelt er sich vom Weintrinker zum Weinkenner. Als Jura-Student in Straßburg werden ihm die Weine des Elsass kredenzt, wie z. B. Gewürztraminer oder Muscat. In Italien spricht er wohl Chianti, Lambrusco oder Primitivo zu.

Es ist nur zu verständlich, dass ein Dichter, der die Fülle des Lebens auskosten will - von „himmelhochjauchzend“ bis „zum Tode betrübt“ - im Wein einen natürlichen Verbündeten sieht.


Goethe und der Riesling

Eine Explosion der Produktivkräfte bringt Goethe der Riesling - genauer gesagt der Rheingau. Die alte, vom Rhein durchflossene und vom Riesling-Anbau geprägte Kulturlandschaft wirkt sowohl auf Körper als auch Geist des Dichters sehr belebend. 

Während zweier Kuraufenthalte in Wiesbaden 1814 und 1815 - Badekuren mit Wasser aus den Thermalquellen - und Besuchen in Frankfurt auf der Gerbermühle im Zwiegespräch mit Marianne von Willemer entstehen viele Gedichte des West-östlichen Divan. Wie viel Riesling dabei getrunken wird, wissen wir nicht. Bekannt ist das folgende Divan-Gedicht aus dem Schenkenbuch.

Trunken müssen wir alle sein!
Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;
Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,
So ist es wundervolle Tugend.
Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.


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Doch Vorsicht, eine Spruchweiheit aus dem Bremer Ratskeller warnt Dichter und Poeten, Weintrinken nicht mit Dichten zu verwechseln.

„Ein Dichten ist auch das Weingenießen, nur dass die Verse nach innen fließen.“

Wir können davon ausgehen, dass Goethe über diese Zeilen - wahrscheinlich unter der Wirkung von Wein entstanden - sehr geschmunzelt hätte.


Übrigens: Dass Goethe viel Wein und wenn möglich nur die besten Weine getrunken hat, um die literarische Produktivität anzuregen, wird von der nüchternen Literaturwissenschaft bislang weitgehend ignoriert. ;-)


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